Collective Imagination – 8. Internationale TMS User Konferenz von Gallery Systems, Wien 2.–3.10.2014

Tagungsbericht von Ralph Knickmeier, Wien 13.10.2014

Die 2007 von Gallery Systems (New York) initiierte jährliche, alternierend auf dem amerikanischen Kontinent bzw. in Europa stattfindende internationale TMS User Konferenz, kam diesseits des Atlantiks nach Paris, Amsterdam und London diesmal in Wien zusammen. Co-Veranstalter waren das Kunsthistorische Museum Wien und das Weltmuseum Wien. Die Tagung wurde begleitet von neun Preconference-Workshops und einzelnen Beratungssessions zu individuellen Fragen (Solutions-To-Go). Die 109 Teilnehmenden kamen aus sechzehn Ländern, die meisten aus den USA, Österreich, Dänemark und den Niederlanden. Vielleicht kann man die folgenden fünf Themenkomplexe als Essenz der Begegnung ausmachen:

Der Einsatz von TMS im Kontext der Digitalisierung von Sammlungen führt in der Regel nahezu zwangsläufig zur (Re)Evaluierung der Bestände und des Workflows. Häufig gibt es ein Impulsprojekt wie etwa der Wunsch nach Konsolidierung multipler Datenbanken in einen singulären Pool (Jennie Choi – The Metropolitan Museum of Art, New York[1]) oder der Umzug in einen neuen Sammlungsbau (Nynke van der Wal, Laura Morison – Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam[2]).

Wie Jay Hoffman (CEO, Gallery Systems, New York) berichtete, ging es bereits auf der Konferenz im Vorjahr um sog. Digital-Asset-Management (DAM), also die Speicherung und Verwaltung beliebiger digitaler Inhalte, insbesondere von Mediendateien. Da das Medienmodul von TMS in dieser Hinsicht noch defizitär ist, sollten bei den Anwendern auch weiterhin entsprechende ergänzende Systeme vorgehalten werden oder muss umgekehrt TMS in über- oder nebengeordnete Softwarelandschaften eingebettet bleiben (Elspeth Cowell – Canadian Centre for Architecture, Montreal[3]).

Ohnehin hat sich einmal mehr gezeigt, wie unterschiedlich und ideenreich die Nutzung des TMS-Medienmoduls gehandhabt wird: Während man auf der einen Seite darin das Bild als reine Repräsentation eines Objektes verwalten kann (Sarah Gillis – Worcester Art Museum[4]), gibt es auch das Modell digital visualisierte Teile eines Objektes, wie etwa die Seiten eines Buches, gewissermaßen in das Medienmodul auszulagern (Jeffrey Smith – Freer Gallery of Art and Arthur M. Sackler Gallery, Washington[5]).

Die von Jay Hoffman (in Vertretung von David Parsell – Yale Center for British Art, New Haven, Connecticut[6]) mit großen Erwartungen vorgetragenen Hoffnungen in Linked Open Data (LOD) Konzepte, die künftig im Web 2.0 die verkapselten Datensilos gegenwärtiger Onlinesammlungen aufbrechen sollen, wurden von der TMS Community ignoriert. Diese Diskussion hat die Ebene eher theoretisch orientierter Zirkel der Digital Humanities also noch nicht verlassen.

Gleichwohl bildeten Beiträge, die sich um Multilingualität und Kooperationen bemühten einen weiteren anregenden Themenschwerpunkt auf dem Kongress (Jeroen Buntinx, Anne-Marie Buffels – National Lottery Belgium, Brüssel[7]); Carole Campbell – J. Paul Getty Museum, Los Angeles und Robyn Sanford – Los Angeles County Museum of Art, LACMA[8]).

Hinsichtlich der Produkt Roadmap von Gallery Systems setzt sich die Partitionierung von TMS in (zusätzliche) Spezialbausteine fort. Dabei wird das TMS selbst immer Browser orientierter und die Handhabung des Programmes öffnet sich für die Nutzung mit beliebigen Endgeräten. Unmittelbar nach der Tagung soll das Update zu TMS 2014 zur Verfügung stehen. Neue Features darin sind etwa die Implementierung aller Embedded Metadata aus Mediendateien (Kameradaten, IPTC-Felder, VRA-Panels etc.), das polyhierarchische Thesaurusmodul und ein völlig überarbeitetes Eventmodul mit welchem nun auch komplexe vielschichtige Ereignisse realitätsnah abgebildet werden können. Im Frühjahr 2015 wird schließlich das bereits länger angekündigte Konservationmodul lieferbar sein. Der nächste TMS User Kongress findet wieder in New York statt.

Anmerkungen

  1. Jennie Choi: Order Out of Chaos: The TMS Consolidation Project at the Metropolitan Museum.
  2. Nynke van der Wal/ Laura Morison: How to Re-evaluate Your Collection in TMS.
  3. Elspeth Cowell: The Challenges of Being Digital.
  4. Sarah Gillis: FRBR and TMS: A Cataloguing Method for Photographic Archives.
  5. Jeffrey Smith: Online Scholarly Cataloging Initiative I: The Freer-Sackler Museum.
  6. Jay Hoffman/ David Parsell: Implementing Linked Data in TMS.
  7. Jeroen Buntinx/ Anne-Marie Buffels: TMS, Multilingualism, and the Web at Belgian Lottery.
  8. Carole Campbell/ Robyn Sanford: Co-Ownership at LACMA and Getty: Playing Nice with Others.